uni-jena.de lässt wieder riseup.net-Mails durch

Gute Nachricht: Mails von riseup.net nach uni-jena.de werden wieder durchgelassen! Keine Ahnung warum, es könnte sein, dass das URZ Jena die Sicherheitsvoreinstellungen manuell angepasst hat, denn der riseup-Host ist bei senderbase.org (laut URZ bieten die dort gezeigten Infos die Grundlage fürs Blocking) immernoch mit einem rot hinterlegten N markiert, genau wie zum Zeitpunkt, als noch geblockt wurde.

Jedenfalls kann ich wieder von riseup an uni-jena-Adressen schreiben und mit uni-jena-Adresse von riseup empfangen. Darüber wurd ich übrigens nicht informiert, sondern gestern habe ich das per Zufall herausbekommen. Ohnehin scheint mir die Kommunikationsweise des URZ Jena ziemlich fragwürdig. Bis heute habe ich auf meine Nachfragen keine offizielle schriftliche Stellungnahme zum Blocking bekommen. Dafür wurde ich vom URZ aufgefordert, teilweise Informationen aus meinen Blogeinträgen zu der Geschichte zu löschen. Vielleicht war das URZ mit meinem Problem einfach überfordert. Ich freue mich jedenfalls, dass es jetzt erstmal gelöst ist und ich das uni-jena-Mailsystem wieder mit allen Funktionen nutzen kann.

Von wegen Selbstkritik: UNO-Menschenrechtsrat stellt Fragen an Deutschland

Deutschland muss sich von anderen UNO-Mitgliedsstaaten am heutigen Donnerstag im Menschenrechtsrat kritische Fragen stellen lassen. Alle UNO-Mitgliedsstaaten werden wohl regelmäßig auf diese Weise befragt, um gravierende Menschenrechtsverstöße aufzudecken und Empfehlungen für deren Beseitigung zu geben. Neben Übergriffen durch die Polizei und die Situation der Frauen in Deutschland sind Rassismus und die terroristischen Morde des NSU Themen der Fragen. Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning (FDP) sagte laut taz zu den bevorstehenden Fragen:

„Wir stellen uns diesem Verfahren mit großer Ernsthaftigkeit, damit es auch andere Regierungen tun, und stellen damit unsere Fähigkeit zur Selbstkritik unter Beweis“ (taz.de: Bundesregierung im Kreuzverhör)

Diese Ansage vom deutschen Menschenrechtsbeauftragten ist ziemlich überheblich. Was hat Deutschlands Selbstbild als Musterschüler mit der Befragung durch das UN-Gremium zu tun? Es gibt mit den oben genannten Themen ja offenbar ausreichend Stoff für eine Befragung. Im besten Fall können deutsche Behörden durch die Befragung etwas über die Menschenrechtssituation in Deutschland lernen. Stattdessen wird schon im Vorfeld auf “andere Regierungen” verwiesen.

Außerdem ist der Begriff Selbstkritik, wenn er auch ins Selbstbild passt, logisch falsch. Es kann berechtigte Kritik von anderen UNO-Mitgliedsstaaten erwartet werden, aber das hat nichts mit Selbstkritik zu tun. Schon gar nicht angesichts einer solchen regelmäßig stattfindenden Befragung aller UNO-Mitgliedsstaaten. Die Themen der Befragung — sowie die Rüge der Antirassismuskommission der UNO vor ein paar Tagen (CERD-report, english, pdf) — sind eher ein Hinweis darauf, dass der angebrachte Zeitpunkt für Selbstkritik von deutschen Behörden längst überschritten wurde.

riseup-Blocking: Fragen an das Rechenzentrum der Uni Jena

Gestern schrieb ich darüber, dass Thüringer Rechenzentren E-Mails von riseup.net blocken und damit die E-Mailfunktion von Adressen u.a. der Hosts uni-jena.de und uni-erfurt.de eingeschränkt ist. Heute habe ich dem Leiter des Rechenzentrums der Uni Jena dazu eine E-Mail geschickt:

Sehr geehrter Herr [*Leiter des URZ*],

in Ihrer Funktion als Leiter des Universitätsrechenzentrums (URZ) der Universität Jena (FSU) wende ich mich an Sie mit einem dringenden Anliegen, das ich in einem E-Mail-Dialog mit dem Mitarbeiter des URZ der FSU, [*URZ-Mitarbeiter*], nicht klären konnte. Das Problem: Meine E-Mail-Adresse hendrik [punkt] kraft [at] uni-jena.de kann neuerdings keine Mails mehr von E-Mail-Adressen mit dem Host riseup.net empfangen und informiert mich auch nicht über missglückte Anschreibversuche. Da ich neben meiner uni-jena.de-Adresse auch eine riseup.net-Mailadresse nutze, ist das zweite Problem: Ich kann mit meiner riseup-E-Mail-Adresse keine Personen mit uni-jena-Adressen mehr anschreiben und erhalte stattdessen eine “undelivered”-Meldung mit dem Inhalt “user unknown”, wobei die von mir angeschriebene Person von ihrem uni-jena.de-Mailaccount nicht über meinen Kontaktversuch informiert wird. Herr [*URZ-Mitarbeiter*] konnte meine Verwunderung über diese neue Einschränkung der E-Mail-Funktion nicht entkräften, mutmaßte mir gegenüber, dass es sich dabei um eine Form der Spam-Bekämpfung handele und verwies mich auf eine Website der Firma CISCO, wo ich mich über aktuelle Server-Reputations informieren solle. Angesichts eines derartigen Eingriffs in meinen Mailverkehr verwunderte mich diese unbefriedigende Antwort. Ich gehe davon aus, dass das URZ die administrative Hoheit über die URZ-Infrastruktur besitzt. Herr [*Leiter des URZ*], was können Sie dafür tun, dass ich mit meiner uni-jena.de-Adresse wieder uneingeschränkt Mails von riseup-Hosts empfangen kann und dass ich mit meiner riseup-Adresse wieder Mails mit dem Host uni-jena.de anschreiben kann? Warum erfolgt eine komplette Blockade des riseup-Hosts und wird nicht, wie bisher üblich, Mailverkehr von verdächtigten Servern in einem separaten Spam-Ordner gesammelt, damit Betroffene sehen, wenn als Spam eingestuft wird, was kein Spam ist? Können Sie sagen, welche Hosts aktuell neben riseup von dem Blocking betroffen sind? Und abschließend: Wann hätten Sie vorgehabt, mich und andere Betroffene über diesen Eingriff zu informieren oder das System dahingehend anzupassen, dass wenigstens eine elektronische Information für Studierende erscheint, wenn an sie gesendete E-Mails nicht durchgelassen werden?

Mit freundlichen Grüßen
Hendrik Kraft.

[Bitte beachten Sie, dass ich mir vorbehalte, meine E-Mail und Ihre Antwort zu Informations- und Dokumentationszwecken zu veröffentlichen]

Thüringer Rechenzentren blocken Mails von riseup.net

update: Mindestens ein riseup-Server als Absender betroffen, der neben uni-jena.de auch uni-erfurt.de-Adressen nicht anschreiben darf — mehr update unten

Ok, von vorne. Gestern sagte mir eine befreundete Person, meine uni-jena.de-Mailadresse würde eine “undelivered…”-Fehlermeldung antworten. Ich dachte mist, haben die jetzt meine uni-jena.de-Mailadresse abgeschaltet? Ich führte selbst den Test durch und schrieb mir von meiner riseup-Mailadresse eine Mail an die uni-jena-Adresse und tatsächlich, es kam dieselbe automatisuerte Info:

host ***.uni-jena.de[****] said: 550, User unknown (in reply to RCPT TO command).

Ich schrieb dem “Postmaster” von der uni-jena-Adresse (die noch senden konnte) und erhielt noch am selben Abend eine Testmail von ihm an die uni-jena-Adresse. Super, läuft wieder, und ich bedankte mich erfreut. Am heutigen Morgen dann hatte ich eine neue Mail vom Postmaster im Posteingang:

“Vermutlich ist der absendende Host hoch spamverdächtig, diese Maschinen werden dann irregeleitet damit sie mit dem Spamversenden aufhören. Nachprüfen kann ich es nicht, hierzu wären mehr Angaben über die absendende Maschine (IP-Nummer, Datum. Uhrzeit) erforderlich, aber die haben Sie nicht mitgeschickt.”

Oha, Problem doch noch nicht gelöst? Sofort machte ich erneut den Test mit meiner riseup-Adresse und, genau, es ging immernoch nicht. So schickte ich dem Postmaster die ganze fehlermeldende Antwort, in der auch der Host riseup genannt wurde. Das wird ja wohl einfach sein, den SPAM-Filter entsprechend anzupassen, damit ich wieder Mails von riseup erhalten kann. Denkste. Auf meine übersendete Information erhielt ich diese Antwort:

“Ich habe Ihnen gestern eine Nachricht aus freenet.de geschickt, und die ist ja wohl angekommen. Ansonsten ist es tatsächlich so, da der absendende host von riseup eine sehr schlechte Reputation hat und deswegen von dieser Maschine nichts angenommen wird. Siehe auch Anhang. Für “betriebsinterne” Kommunikation wie an unserer Uni ist dieser Provider somit nur sehr eingeschränkt tauglich. Und ebenso für allgemeine Kommunikation, da deren Server wohl auch gelegentlich vom FBI konfisziert werden (siehe auch http://www.taz.de/!91855/ )”

OK, riseup nur eingeschränkt tauglich, freenet dagegen ein vertrauenswürdiger Mail-Host. Und wer entscheidet das? Warum erfahre ich das als Betroffener zufällig? Ich fragte den Postmaster, 1. nach welchen Kriterien das Rechenzentrum der Uni Jena die Reputation eines Hosts bewertet und ob dafür die Ermittlungsmethoden in den USA ausschlaggebend seien, 2. welche Hosts neben riseup betroffen sind, 3. seit wann der Filter installiert ist, 4. wann die Betroffenen über den eingeschränkten Mailverkehr informiert werden. Als Antwort kam:

“Diese Anti-Spam Software wird an seit etwa 8 Jahren an allen Thüringer Hochschulen eingesetzt. Wir informieren niemanden da wir ja nicht wissen wann und von wo welche Nachrichten eintreffen oder auch nicht., im Zweifelsfalle können Sie auf der Webseite http://www.senderbase.org/ sich selbst über die Zuverlässigkeit der sendenden Maschine informieren. Wir bewerten dabei selbst gar nichts. Der Link sollte Ihnen nur zeigen, daß dieser Provider nicht zu den allerzuverlässigsten gezählt wird. Und immerhin hat der Absender ja erfahren, daß seine Nachricht das Ziel nicht erreicht hat und er konnte entsprechend reagieren.”

Zusammengefasst: Ab sofort werden für Mailadressen der Universität Jena alle Mails von mindestens einem Mailanbieter (riseup) blockiert und die Betroffenen werden darüber nicht informiert. Mir ist das per Zufall aufgefallen. Das RZ der Uni Jena sagt, es könne diese Blockierung eingehender Mails von riseup nicht beeinflussen. Das RZ der Uni Jena weiß nicht, für welche Hosts die Blockade noch zutrifft. Für weitere Informationen werde ich auf eine Website des US-amerikanischen Privatunternehmens CISCO verwiesen.

update 16.04.13 15:20:

Zu dem Hinweis auf die Cisco-Seite in den Kommentaren: Die roten Zeilen scheinen die geblockten Hostnamen zu zeigen ( http://www.senderbase.org/senderbase_queries/detaildomain?search_string=riseup.net ), die besagten Mails kamen vom Server mx1.riseup.net. D.h. Schreibende, die von riseup über andere Server geleitet werden, können wahrscheinlich noch an uni-jena-Adressen schreiben. Offen bleiben für mich die Fragen: Betrifft das potentiell alle Server, auch z.B. von yahoo oder googlemail? Bisher hatte ich auch auf meiner uni-jena-Adresse die Möglichkeit, Spam in einem Spam-Ordner selbst nachzuprüfen — ist das jetzt gängige Praxis, dass die vorgeschaltete Filtersoftware Mails nach Hostnamen komplett blockt, ohne dass ich Einfluss darauf habe? Wenn übernacht die “Reputation” von E-Mail-Hosts sinken kann, welche sind morgen dran? Und vor allem: Findet das Rechenzentrum der Uni Jena, das ja die Hoheit über den eigenen Serververkehr haben müsste, diesen Eingriff in meinen Mailverkehr wirklich zumutbar?

Eben per Test herausbekommen, dass @uni-erfurt.de-Adressen auch meine riseup-Mails blocken. Ebenfalls mit oben zitierter “User unknown”-Meldung, die Spam bekämpfen soll aber meinen Mailverkehr bekämpft.

Von nützlichen und unnützen Menschen

Panorama berichtete am 7.3.13 von der Ausbeutung rumänischer und bulgarischer Menschen in der deutschen Arbeitswelt. Nach einem kurzen Einspieler mit aktuellen polemischen Zitaten des deutschen CSU-Innenministers Hans-Peter Friedrich spricht Anja Rechke einleitend zum Beitrag von den “übelsten Bedingungen”, unter denen Menschen aus Rumänien und Bulgarien in Deutschland arbeiten:

“Andersrum wird nämlich ein Schuh draus. Nicht die Zuwanderer beuten uns aus, sondern wir beuten die Zuwanderer aus” (ARD/ PANORAMA).

Der Panorama-Beitrag richtet seinen Fokus auf die Ausbeutungsverhältnisse in deutschen Betrieben. Entgegen der von Friedrich verbreiteten Mär von sozialleistungsbeziehenden Menschen aus Rumänien und Bulgarien sagt der Beitrag: “Die arbeiten doch hier. Und zwar hart”. Darin schwingt eine gefährliche Logik mit.

Es ist ja ein gutes und notwendig scheinendes Anliegen, der von Friedrich verbreiteten diffusen Stimmung mal Fakten entgegenzusetzen. Problematisch wirds bloß, wenn dabei die von Friedrich reproduzierten Kategorien zur Einteilung einwandernder Menschen übernommen und so als Prämisse zur Diskussion über Einwanderung akzeptiert werden. Wesentlicher Kern dieser Rhetorik ist die Herabwürdigung einwandernder Menschen zu Kostenfaktoren. (D’accord, die betrifft in anderen Fällen nicht nur einwandernde Menschen, aber es geht konkret um Friedrichs Rhetorik hier.) Dieser Einteilung von Einwanderung in Kategorien wie nützlich und unnütz sitzen Medien auf, wenn sie die Anzahl entlohnter unter den einwandernden Menschen als Kriterium übernehmen, nur um das Gegenteil von Friedrichs Aussage zu beweisen. Das ist ein Problem. Wenn alle nur noch in Kategorien nützlicher versus unnützer (sozialstaatsbelastender, Armuts-) Einwanderung argumentieren, sitzen wir in der Falle. Ich mein es gibt sicher Leute, die das so wollen, aber wenn das eine Mehrheit wird, sind fundamentale Grundrechte völlig über’n Haufen. Und darum kritisierte TheGurkenkaiser zurecht, dass die sich selbst als links (zumindest anti-rechts) verortende Seite Publikative.org in einem Artikel genau diese nationalökonomische Einteilung zur Bewertung von Einwanderung übernimmt. So ist bei Publikative.org ein Satz möglich wie dieser:

“Die Freizügigkeit innerhalb der EU kann neben vielen Vorteilen eben auch dazu führen, dass arme Menschen nach Deutschland kommen, die das deutsche Sozialsystem belasten.” (Publikative.org)

Was sind EU-Rechte wie die “Freizügigkeit” (die bereits Menschen aus Nicht-EU-Ländern diskriminieren) noch wert, wenn sie sogar innerhalb der EU für Menschen aus Rumänien und Bulgarien infrage stehen? Für “arme Menschen”? Das muss es wohl sein, wofür ein Begriff wie “Zeitgeist” erfunden wurde, der sich zu dem Thema sonst eher bei Spiegel Online herumtreibt.

Der o.g. Panorama-Beitrag stellt die Rechte der einwandernden EU-Bürger*innen bei weitem nicht so drastisch infrage, wie SpOn oder das Publikative-Zitat. Trotzdem hätte ich mir jetzt allmählich auch die Thematisierung der Rechtsaußen-Rhetorik selbst gewünscht, die ja vor dem Panorama-Beitrag extra plakativ eingespielt wurde. Es bleibt in Friedrichs Logik, wenn wieder nur die Betroffenen ins Spiel gebracht werden, um das Gegenteil seiner Aussage zu beweisen. Stattdessen gehören wirkmächtige Akteure wie der deutsche Innenminister und ihre entmenschlichende Rhetorik selbst in den Fokus. Akteure, die sonst von angeblich europäischen Werten der Gleichbehandlung erzählen. Das wäre aber vielleicht etwas unangenehm, weil es an das in Deutschland verbreitete Selbstbild von einer Gesellschaft ginge, die solche Werte lebe (nicht nur aufschreibt!). Eigene Nase.