DiePresse.com, ein deutscher Schriftsteller und die “Z***”

Die Rehabilitation des Begriffs “Z***” in der deutschen Sprache scheint in vollem Gange. Der in Deutschland auch als Schimpfwort verbreitete Terminus wurde im September 2011 mal eben von Spiegel-TV-Reportern zum journalistischen Arbeitsbegriff erhoben, und zwar mit der Begründung, rumänische Roma nannten sich ja “țigani” untereinander. Im österreichischen online-Portal DiePresse.com heißt es seit 12.01.2012:

„Das Wort Rom beleidigt mich, nenn mich [Z***]!“ – Ein deutscher Schriftsteller hat auf dem Balkan recherchiert und meint nun: Das Wort „Z***“ ist zu Unrecht verpönt.

Das Problem an dem Artikel: Die Diskussion, die bereits seit Jahren in Rumänien zu dem Thema existiert, wird einfach ignoriert, und damit auch die Kritik an der in dem Presse-Artikel formulierten Position. Seit Tagen tippe ich immer wieder folgenden Kommentar unter den Artikel bei DiePresse.com:

Sehe ich es richtig, es geht darum “Wir, die Nicht-Roma sollen wieder [Z***] sagen dürfen”? Aufhänger ist, was ein “deutscher Schriftsteller” von seiner “Balkanreise” mitbringt. Und die (lange währende, alte) Debatte innerhalb Rumäniens wird damit einfach weggewischt? Hier mal die Gegensicht aus Rumänien (kein_e deutsche_r Schriftsteller_in) von Delia Grigore: “Warum rrom und nicht tigan” (De ce rrom si nu tigan). Sie erläutert die Geschichte und Bedeutungen beider Begriffe und führt aus, dass viele Sprecher_innen des Romanes eher zu “Roma” tendieren, weil es im Romanes das Wort “tigani” nicht gibt. “Tigani” ist aus der Sprache der Nicht-Roma und in Rumänien verbunden mit den Wortbedeutungen “Sklaven”, “Leibeigene”. Warum fehlen solche kritischen Bezüge, die immerhin die Debatte vor Ort widerspiegeln, warum ist der Aufhänger, was deutsche in Rumänien “recherchieren”?

Mein Kommentar ist nach 6-maligem Eintippen über mehrere Tage verteilt bis heute nicht unter dem Artikel erschienen. Meine Nachfrage via twitter und eine andere per e-Mail blieben unbeantwortet. Ich weiß nicht so recht warum.

Erste Reaktionen aus Rumänien auf den Süddeutsche-Artikel über CIA-Gefängnisse

Die Süddeutsche Zeitung meldete gestern, ihr und dem ARD-Magazin Panorama hätten ehemalige US-Agenten die Adresse eines alten geheimen CIA-Gefängnisses in Rumänien verraten (Geheimgefängnis der CIA in rumänischer Behörde entdeckt). Die rumänische Behörde zur “Verwaltung geheimer (Militär-)Informationen” ORNISS, auf deren Gelände sich das Gefängnis befunden haben soll, stritt das gegenüber der Süddeutschen Zeitung ab.

Gegenüber dem rumänischen Nachrichtenportal hotnews.ro sagte der rumänische Außenminister Teodor Baconschi gestern, in dem Süddeutsche-Bericht seien “keine Beweise erschienen”. Das “scheint wie eine Filmwiederholung mit all diesen Vermutungen”. Weiter sagte Baconschi:

“Soweit ich weiß haben die ORNISS-Verantwortlichen volle Transparenz gezeigt, haben ihre Einrichtung geöffnet und nichts zu verstecken, und der Vorschlag einer juristischen Untersuchung kann nicht auf eigens dafür notwendigen Ermittlungen des Obersten Rumänischen Gerichts basieren, sondern auf der Vorlage von Beweisen und einer in diesem Sinne ausdrücklichen Erfordernis.” (Teodor Baconschi über den Beitrag der Süddeutschen Zeitung zu CIA-Gefängnissen auf dem Gelände der ORNISS, Original hier)

Die Journalist_innen von hotnews haben sich gestern selbst in die Bukarester strada Mureș aufgemacht und sich in der Nachbarschaft umgehört, wo sich die Befragten einig waren, in den letzten Jahren nicht Auffälliges gesehen oder bemerkt zu haben (Beitrag hier).

Școala Noastră/ Our School – Vorführung in Berlin

Am Donnerstag, 17.11.2011, gibt es um 21:00 (nicht wie laut Aushang 20:00) im CineStar Potsdamer Straße 4 eine Vorführung des mehrfach ausgezeichneten Dokumentarfilms Școala Noastră/ Our School. Die Regisseurin Mona Nicoara aus New York wird anwesend sein.

Die Präsentation erfolgt im Rahmen des European Pro Bono Forum, ist aber kostenlos und öffentlich.

Spiegel TV deckt “Invasion” auf

Geehrte Spiegel-TV-Redaktion, Ihr neuer Beitrag klingt mit dem Titel “Invasion der Hoffnungslosen: Armutstouristen erobern den Westen” ein wenig nach Frontbericht.


Screenshot von Spiegel TV

Der von Ihnen verwendete Begriff hat diese Bedeutungen:

Da mir zumindest entgangen ist, dass wir oder Sie sich im Krieg mit den in Ihrem Film gezeigten Menschen befinden (die biologische Bedeutung werden sie wohl nicht gemeint haben), tippe ich bei Ihrer Verwendung des Begriffs “Invasion” einfach mal auf eine militär-rhetorische Überspitzung. Sicher ist Ihnen bewusst, welche Verantwortung Sie tragen, wenn Sie mit derartig heißen Begrifflichkeiten hantieren. Insofern ist es natürlich sehr klug von Ihnen, dass Sie in Ihrem Beitrag die “Invasion” zwar aufdecken, Möglichkeiten zur Abwehr dieser aber nicht laut aussprechen. Wahrscheinlich wollen Sie die sachlich-kühle Diskussion zum Thema Roma nur ein bisschen anfeuern. Oder werten Sie es erst als journalistischen Erfolg, wenn Ihr Zielpublikum, inspiriert durch Ihren Beitrag, eigene Lösungen findet, der “Invasion” zu begegnen?

[siehe auch: Rassismus und Datenschutzverstöße bei SPIEGEL TV?]

Zwangsvollstreckte Geldstrafe für sexistische Äußerungen in Rumänien

Der für rassistische und polulistische Äußerungen bekannte rumänische Europaparlamentsabgeordnete und Unternehmer George “Gigi” Becali weigerte sich, eine gegen ihn verhängte Geldstrafe für sexistische Äußerungen zu zahlen – jetzt folgt die Zwangsvollstreckung.


Rumänische Behörden wollen offenbar kein Auge zudrücken. Der nationalistische Politiker und Finanzierer des FC Steaua Bucureşti “Gigi” Becali hatte in der Antena-2-Sendung “Agentul VIP” im April 2011 wiederholt frauenfeindliche und sexistische Bemerkungen fallen gelassen, wofür er vor einigen Tagen von der rumänischen Behörde namens “Nationalrat zur Bekämpfung von Diskriminierung” (Consiliul Naţional pentru Combaterea Discriminării, Homepage) zu einer Geldstrafe von 2000 Lei (ca. 474€) verurteilt worden sein soll, wie das Nachrichtenportal hotnews.ro berichtet. Becali soll sich jedoch geweigert haben, diese Strafe zu zahlen. Das Bezirksrathaus des Sector 1 in Bukarest wurde letzte Woche angewiesen, die Geldstrafe zwangszuvollstrecken.

Die rumänische Medienaufsichtsbehörde “Consiliul Naţional al Audiovizualului” (CNA, Homepage) sprach zudem eine öffentliche Rüge gegen den betreffenden TV-Sender Antena 2 aus. In der Rüge wurde neben den Äußerungen Becalis auch kritisiert, dass der Moderator der Sendung “Agentul VIP” nicht adäquat auf Becalis Sexismus reagiert hätte. Das CNA sah in der ausgestrahlten Sendung einen Verstoß gegen das Verbot, Menschen aufgrund von “Rasse, Religion, Nationalität, Geschlecht, sexueller Orientierung oder Etnie” zu diskriminieren.

Signal, 23.6.2011

… kurz und knapp


Zu den Vorfällen gegenüber Angehörigen der ungarischen Minderheit in Rumänien gibt es einen guten Überblick mit Hintergründen beim Pester Lloyd: Angriff auf ungarische Minderheit in Rumänien.

Die rassistische Medienberichterstattung über Griechenland wurde bei ZAPP gestern thematisiert: Wie Medien die Griechen zu Idioten machen.

Am Samstag (25.6.2011) eröffnet in der Galerie TÄT (Schönhauser Allee 161A) eine sehr empfehlenswerte Ausstellung unter dem Namen ROOM RUMOR. Das dürfte spannender werden als übliche Berliner Vernissagen. Es ist die erste Gemeinschaftsausstellung des jungen Verlags AKV Berlin.

Über 1 Million mehr Kinobesuche in Rumänien

… trotz weniger Kinos


Die staatliche rumänische Filmförderungsanstalt CNC hat ihre Jahresberichte mit interessanten Zahlen für 2010 veröffentlicht. Unverkennbar lässt sich aus diesen lesen: In Rumänien wird mehr ins Kino gegangen. 2010 besuchten 6,5 Mio Rumän_innen die einheimischen Lichtspielhäuser, das sind über eine Million mehr Kinogäste als die 5,3 Mio im Vorjahr 2009 und das bedeutet einen Zuwachs von über 20%. Bei 20 Mio Einwohner_innen ist das vielleicht noch nicht sooo viel. Zum Vergleich: Deutschland mit 80 Mio EW hatte 2010 allein 124 Mio Kinogäste – 2009 aber noch 146, also mit fallendem Trend. (Quelle: FFA-Bericht [pdf])

In Rumänien, wo 2007 noch weniger als 3 Mio Menschen die Kinos besuchten, ist also ein in der Relation starker Aufwärtstrend erkennbar. Warum die Info? Thematisch passt die Meldung ja dazu, dass hierzulande gestern kino.to abgeschaltet wurde, wobei es auch Verhaftungen gab (oben zitierter FFA-Bericht, aus dem Besucher_innenrückgang um 15% und Umsatzeinbußen um 7% für die deutsche Filmwirtschaft erkennbar werden, ist übrigens auch keinen Monat alt). Nein, nicht deswegen finde ich die rumänischen Zahlen interessant, sondern weil internationale Filmkritiken zu rumänischen Filmen fast immer (berechtigt) die rumänische Kinoinfrastruktur negativ erwähnen (z.B. hier, hier oder da). Die neuen Zahlen vom CNC geben da vielleicht einen ganz kleinen Lichtblick.


Cinema Republica, 2009 in Iaşi

Zwar ist die Anzahl der intakten Lichtspielhäuser von 74 (2009) auf 68 (2010) in Rumänien gesunken, aber die Zahl der Kinositze ist im gleichen Jahr um 1000 auf fast 51.000 und die der Leinwände um 12 auf 194 gestiegen. Das liegt definitiv an den neu gebauten Multiplexen, wo einfach in weniger Kinos mehr reinpasst. Beim Thema Multiplex sind wir dann auch bei einem entscheidenden Motiv rumänischer Kinogäste: US-amerikanische Filme. Denn mehr Kinobesuche sind noch kein Indiz dafür, dass die Leute auch die einheimischen, zum großen Teil international ausgezeichneten, Produktionen anschauen.

Das ist ein wesentlicher Punkt, denn rumänische Filme, die im Ausland unheimlich abräumen, sind in Rumänien manchmal kaum bekannt. (Das ist aber kein rumänisches Phänomen: Andreas Dresens Filme z.B. laufen regelmäßig auf internationalen Festivals, während innerhalb Deutschlands US-Blockbuster oder Til Schweiger an der Kinokasse abräumen). In Zahlen drückt sich das krass aus: Nur 2,7% der rumänischen Kinogäste 2010 sahen sich rumänische Produktionen an – dafür 89% US-amerikanische (zum Vergleich: in Deutschland sahen 17% der Besucher_innen inländische Produktionen und 75% US-amerikanische [Quelle pdf s.o.], wobei aber dazugehört, dass Deutschland eine viel produktivere Filmwirtschaft hat).

In Rumänien sprechen die Zahlen insgesamt immerhin für grundsätzlich mehr Kinobesuche mit stetig steigender Tendenz, was ja bei ebenso steigenden Bilet-Preisen und fortschreitender Heimkinematisierung schon mal erwähnenswert ist. So können den Artikeln, die (ja auch berechtigterweise) von desaströser rumänischer Kino-Infrastruktur berichten, jetzt wenigstens Fakten über ein Fünftel mehr Kinobesuche beigepackt werden.


Homepages der beiden nationalen Filmförderungsanstalten, von denen die verlinkten Berichte sind:
Centrul Naţional al Cinematografiei und Filmförderungsanstalt.

Bürgermeister Roms wegen fahrlässiger Tötung angezeigt

Bei einem Brand in provisorischen Behausungen an Roms Stadtrand starben vier Kinder. Dem Bürgermeister Giovanni Alemanno wird nun vorgeworfen, Risiko-Berichte zur akuten Brandgefahr nicht ausreichend beachtet zu haben.


Am 6.Februar 2011 verbrannten vier Kinder in einem Slum-artigen Lager am Rande der italienischen Hauptstadt Rom. In dem Lager sollen rund 14 Menschen aus Rumänien, offenbar mehrheitlich Roma, wie der Standard berichtete, gelebt haben. Die obdachlosen Einwanderer waren laut Standard zuvor aus einem anderen ungenehmigt errichteten Lager von den Behörden vertrieben worden – während ihnen gleichzeitig Unterkünfte versprochen worden sein sollen.

Der Bürgermeister Roms Giovanni (“Gianni”) Alemanno geriet nach dem Tod der Kinder unter Druck, ihm wurde vorgeworfen, die menschenunwürdigen Lebensbedingungen der Einwanderer zumindest billigend in Kauf genommen zu haben. Nun wird er sich auch vor Gericht dafür verantworten müssen: Wie hotnews.ro und adevărul.ro heute berichteten, wurde Alemanno wegen fahrlässiger Tötung angezeigt. Das verkündete gestern der grüne ehemalige Stadtverordnete (“senator”) in Rom Luigi Manconi als Wortführer der Anzeige auf einer Pressekonferenz seiner NGO A Buon Diritto. Dabei präsentierte Manconi fünf amtliche Risiko-Berichte von der Verwaltung und Polizei Roms aus dem Zeitraum Mai bis Dezember 2010, in denen auf die Situation in den Slum-ähnlichen Lagern offenbar klar hingewiesen wird und so u.a. auch eine akute Brandgefahr seit Monaten bekannt gewesen sein soll. In diesen fünf Berichten sieht Manconi die Grundlage für seine Anschuldigung der Mitschuld des Bürgermeisters Alemanno am Tod der vier Kinder.

In den Behausungen, die aus leicht brennbarem Material bestehen, ergibt sich eine akute Brandgefahr logischerweise insbesondere im Winter, wenn unzureichende Heizmöglichkeiten zur Erzeugung von etwas Wärme genutzt werden. So vermuteten Feuerwehrmänner laut Standard auch, dass der tödliche Brand von einem kleinen Feuer in Blechkanistern ausgelöst wurde. Damit wäre genau das Szenario eingetroffen, vor dem der Bürgermeister mit den städtischen Risiko-Berichten hätte gewarnt werden sollen. Sein Pressesprecher soll zu Alemannos Verteidigung bereits gesagt haben, die Berichte hätten sich auf andere Lager bezogen und nicht konkret auf dieses, in dem jetzt die Kinder starben.

Am Rande von Miercurea Ciuc

Zwangsumsiedlung in die Ungewissheit


Mit dem kurzen Portraitfilm über einen Jungen namens Gyuri will Amnesty International auf das Schicksal einer Gruppe von Menschen aus Miercurea Ciuc aufmerksam machen. Diese leben nach Zwangsumsiedlungen seit 2004 in direkter Nachbarschaft zu einer als “Gefahrenzone” markierten Kläranlage unter menschenunwürdigen Bedingungen. Obwohl ihnen zugesichert wurde, dass sie nur “vorrübergehend” dort bleiben müssen, hat sich nach sechs Jahren nichts an ihrer Situation verändert. Die rumänische NGO Romani CRISS hat sich der Situation dieser Menschen angenommen und hilft beispielsweise mit Betreuungsprogrammen oder gibt juristischen sowie gesundheitlichen Beistand.

Das Video fand ich übrigens über diesen tweet.

Ab heute heißt Du Z***!

In europäischen Regierungen lässt sich ein zweifelhafter Umgang mit Diskriminierung beobachten: Diskriminierte Menschen werden zum Problem erklärt. Und für jedes Problem gibt es eine Lösung.

Nachdem in Deutschland Asylbewerbereinrichtungen mit mehrfach tödlichem Ausgang brannten (Hoyerswerda September 1991, Rostock-Lichtenhagen August 1992, Mölln November 1992) und über diese Anschläge hinaus die Todesopfer rechtsextremer Gewalt in Deutschland zunahmen, beschnitt der Bundestag das Asylrecht, um endgültig den “Zuzug von Ausländern” zu begrenzen, mit dem “Asylkompromiss” (Beschluss im Dezember 1992, Inkrafttreten im Mai 1993, worauf der Mordanschlag von Solingen folgte) . Der Ansturm unaufhaltbarer “Asylanten”-Massen hat sich als Angstbild in die deutschen Köpfe eingebrannt, so dass bis heute wohl eine Mehrheit von der Richtigkeit dieser Asylrechtsbeschneidung überzeugt ist.


Drei SPIEGEL-Cover von 1992/93 – exemplarisch für die Wahrnehmung von “Asylanten” in der deutschen Öffentlichkeit? | Quelle spiegel.de

Sozial schwache EU-Bürger, die ihr Recht auf Bewegungsfreiheit nutzen, können gegenwärtig in dieser Bewegungsfreiheit nicht per Gesetz eingeschränkt werden. Aber mit Geld bestochen. Wenn nun etwa Arbeitsmigranten in der europäischen Öffentlichkeit sichtbar werden und Ressentiments und Ablehnung in dieser Öffentlichkeit hervorrufen, kann es passieren, dass eine Regierung den Arbeitsmigranten Geld bietet, damit diese das Land verlassen (Frankreich und Berlin sind nur bekannte Beispiele).

Nun gibt es interessante Neuigkeiten aus Rumänien, einem Herkunftsland vieler europäischer Arbeitsmigranten: Einige rumänische Politiker wähnen nämlich aufgrund europaweit existierender Vorurteile gegenüber Roma den Ruf ihres Landes “România” in Gefahr – aber sie fordern nicht die Bekämpfung von Vorurteilen, sondern die gesetzliche Umbenennung der Roma in “Z***”.

Was die beschriebenen Punkte gemeinsam haben: Ursache und Wirkung werden vertauscht. Anstelle der unmenschlichen Vorurteile (bzw. der Gesellschaft, in der diese existieren) werden diskriminierte Menschen selbst zum Problem erklärt (“Problemgruppen”). Dieses Denkmuster liegt beispielsweise auch dem Spruch zugrunde: “Ausländer” sind Schuld an der Fremdenfeindlichkeit.

Der SPIEGEL wusste 1991/92 (s.o.) also vom “Ansturm der Armen” und fragte: “Wer nimmt die Flüchtlinge?”. Das war vor dem “Asylkompromiss”. Und was zeigen die Bilder dieser drei SPIEGEL-Cover? Gewiss keine Individuen aus unserer Gemeinschaft, die von ihrem guten Recht Gebrauch machen (das sie bis Dezember 1992 sehr wohl hatten), sondern wir sehen als abschreckende Massen schematisierte Figuren, auf zwei Covern noch mit dem Begriff “Ansturm” beschriftet.

Als Problem werden diejenigen definiert, die eigentlich vom Problem betroffen sind und sie werden vor allen Dingen nicht in die Diskussion mit einbezogen. Es wird über sie berichtet und über sie entschieden, so, wie über einen Fremdkörper. Denn die entsprechenden Menschen werden gar nicht als Teil der Gemeinschaft oder Gesellschaft wahrgenommen.

Von den SPIEGEL-Covern bis zur rumänischen “Z***”-Umbenennungsinitiative lässt sich eine Linie ziehen, die symptomatisch ist für eine Haltung staatlicher Institutionen gegenüber dem, was als fremd gesehen wird: Über einen Fremdkörper kann man bestimmen – ohne dessen Einverständnis. Man kann “Fremde” [ausweisen/ aufnehmen/ aussperren/ umbenennen/ verfrachten/ integrieren / _______ / _______ / _______ / ... ] .

Mit Menschen beredet Mensch Dinge. Mit Fremden macht Mensch Dinge.

update:
Im Februar 2011 wurde der “Z***”-Umbenennungs-Vorschlag im rumänischen Parlament in letzter Instanz vorläufig abgelehnt.

Signal, 20.10.2010

Herbst 2010


Ein Team von Amnesty International besuchte Roma in Miercurea Ciuc (Rumänien), die vor über sechs Jahre aus ihren Häusern vertrieben wurden. Die NGO musste feststellen, dass diese Menschen immer noch “wie Müll behandelt” werden und unter menschenunwürdigen Bedingungen nahe einer Abwasseranlage angesiedelt sind – die Stadtverwaltung gibt sich planlos: Roma community in Romania still treated like waste six years on.

Von der Abschiebung bedroht sind Roma in Göttingen, so Ita Niehaus und Susanne Schrammar im gestrigen Länderreport auf Deutschlandradio Kultur. Mehr zur niedersächsischen Abschiebepraxis zum Nachlesen oder Nachhören [→mp3].

Der Deutschlandfunk sendete am 7.10. einen Beitrag von Dorothea Jung: Gefahr für die Gesellschaft – Die Islamfeindlichkeit in Deutschland nimmt zu. Die wachsende Verbreitung eines Feindbildes wird darin unter die Lupe genommen (zu Wort kommt u.a. auch Yasemin Shooman, Doktorandin am Berliner Zentrum für Antisemitismusforschung). Der Beitrag ist nachlesbar und -hörbar: [→mp3].

Yasemin Shooman kam vorgestern auch für das Internet-Portal “Mut gegen rechte Gewalt” mit einem Text zu Wort. Hierin zeigt sie knapp und auf den Punkt gebracht, dass der “rechte Kampfbegriff” der “Deutschenfeindlichkeit” eingesetzt wird, um von Machtverhältnissen, strukturellem Rassismus und institutioneller Ausgrenzung abzulenken: „Deutschenfeindlichkeit“ – Was soll das sein?

Ich habe es mir gestern Vormittag nicht nehmen lassen, beim Twitter-Account der Familienministerin Kristina Schröder (einer großen Verfechterin des Begriffs “Deutschenfeindlichkeit”) anzufragen, ob sie die von Shooman angeführten Fakten zur Herkunft und zur Bedeutung des Begriffs “Deutschenfeindlichkeit” kenne – die Antwort lieferte mir dann ein am Abend gesendeter Fernsehauftritt der Ministerin im ZDF (hoffentlich noch nicht depublished).

Zuguterletzt ein sehr guter Artikel von Johnny Haeusler bei spreeblick, der die aktuelle populismusdurchtränkte Situation vergleichend mit der Stimmung in den 90er Jahren analysiert und benennt: Scheiter-Haufen.

Gewalt gegen eine Rumänin in Rom endet tödlich

Neuer mutmaßlich fremdenfeindlicher Übergriff in Italien mit Todesfolge


Wie hotnews.ro berichtet (englisch hier) wachte eine 32-jährige Rumänin in Italien nach Verletzungen am Kopf nicht mehr aus dem Koma auf und verstarb am letzten Freitag (15.10.10). Die Frau, die in Italien als Krankenschwester arbeitete, wurde Opfer einer mutmaßlich fremdenfeindlich rassistisch motivierten Gewalttat in einer Metro-Station in Rom am vorvergangenen Freitag (8.10.10). Offenbar war der Tat ein Streit vorausgegangen, wie hotnews.ro von einem Caféhaus-Besitzer erfahren habe (siehe hier). In dem Streit soll der 20-jährige Mann die Rumänin beleidigt und aufgefordert haben, in ihr Land zurückzukehren (rumänisch hier).


Siehe auch:
Ein etwas ausführlicherer Artikel auf Italienisch im Corriere della Sera: Lite alla biglietteria del metrò,
donna aggredita esce dal coma

Siebenbürgen und die Securitate

Einblicke hinter die Fronten – Eine Tagung in Jena


Eine Tagung in Jena am letzten Wochenende (24.-26.9.2010, organisiert vom Historischen Institut der Stadt und vom Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde) ging mit der “Securitate in Siebenbürgen” thematisch einem aktuell heißen Eisen nach (hier das Programm als →pdf). Auf einer ähnlichen Tagung in München im Dezember 2009 hatte der in Siebenbürgen geborene Schriftsteller Werner Söllner ein “Spitzelgeständnis” abgelegt und damit die Diskussion darüber befeuert, welche Rolle Siebenbürger und Banater Deutsche in der rumänischen Securitate spielten. Wer bis zu diesem Zeitpunkt noch die Welt etwa in “gute deutsche Oppositionelle” versus “böse rumänische Securisten” eingeteilt hatte, musste spätestens da erkennen, dass die Zusammenhänge komplexer waren.

Die Komplexität der Zusammenhänge deutete sich schon Anfang der 2000er Jahre in den Diskussionen über Eginald Schlattner an. Wie auch immer man zu dessen Literatur und seinem Umgang mit der Vergangenheit stehen mag – die Tatsache, dass er für die offene Thematisierung seiner Fehler von vielen Siebenbürger und Banater Deutschen ausgegrenzt wurde, verriet wenig über die Person Schlattner. Vielmehr zeigten die Gesprächsverweigerungen, wie schwer der differenzierte Blick auf ein Thema ist, das bis heute für starke Emotionen sorgt und daher auch viele Tabus kennt.

Interessant sind nun die Reaktionen auf die erst wenige Tage alten Erkenntnisse über Oskar Pastior. Der Germanist Stefan Sienerth kam nämlich zu dem Ergebnis, dass der 2006 verstorbene enge Vertraute Herta Müllers für die Securitate zumindest eine IM-Bereitschaftserklärung unterschrieben habe. Herta Müller, die Pastior sehr nahe stand, versucht im Interview mit der FAZ zu einer differenzierten Bewertung der Securitate-Einlassungen Pastiors zu kommen. Sie sieht Oskar Pastior zunächst einmal als Mensch und nicht als feindlichen Kollaborateur. Sicherlich spielt ihre emotionale Beziehung zu Pastior hier eine große Rolle. Aber “feindliche Kollaborateure” als Menschen zu verstehen, ist der entscheidende Schritt zum Verständnis des gesamten Themas.

In diesem Sinne formulierte etwa Ingmar Brantsch in der Diskussion in Jena die Hoffnung auf etwas mehr Menschlichkeit im Umgang mit denen, die heute moralisch angeklagt werden. Regelrechtes Einknüppeln auf die Menschen, wie es Horst Fassel nach Bekanntwerden seiner IM-Tätigkeit erlebt habe, würde in der Sache niemanden voranbringen. In Herta Müllers Äußerungen zu Pastior erkennt Brantsch die Chance einer Wende hin zu mehr Differenzierung im Umgang mit der Vergangenheit.

Reaktionen wie die von Richard Wagner, der “Kein Verständnis für Pastior” hat, wurden auch auf der Tagung in Jena geäußert. Insbesondere meldeten sich hier Angehörige jener Generation zu Wort, die in den 50er Jahren harte Repressionen in Rumänien in Form von Überwachung, physischer Gewalt, jahrelangen Haftstrafen und Folter erlebt hatten. Für sie sind die Verletzungen und Enttäuschungen nur schwer überwindbar, weshalb auch das Verständnis für die Zusammenhänge um Pastiors IM-Tätigkeit fehle. In diesen Zusammenhängen aber liegt der Schlüssel zur Beschäftigung mit dem ganzen Repressionsapparat, das wurde auf der Tagung erkennbar.

Kritische Blicke hinter die Kulissen sind demnach notwendig. Sehr kritisch präsentierte Martin Jung in seinem Beitrag ein bezeichnendes Beispiel: Der rumänische Präsident Traian Băsescu berief 2006 eine Kommission zur “Untersuchung der kommunistischen Diktatur”, deren Ergebnis die offizielle Verurteilung des Kommunismus war. So unterstrich die Kommission eine Teilung der rumänischen Gesellschaft in böse Kommunisten (reduziert auf ein paar Namen) und gute Bürger (der Gegenwart) – relevante Ergebnisse zu Rollen und Funktionen vieler bis heute aktiver Politiker und Wirtschaftsfunktionäre erbrachte die Kommission nicht. Einen wesentlichen Beitrag zur tatsächlichen Aufklärung von Zusammenhängen über die autoritären Strukturen Rumäniens vor 1989 blieb die Kommission damit schuldig. Man beließ es bei verbalen Verurteilungen.

Die Historikerin Katharina Lenski sieht das Problem ähnlich gelagert, allerdings griff sie auf ihre Erfahrung im Umgang mit der Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit zurück. Sie bemängelt die Instrumentalisierung von Stasi-Akten zur bloßen Anklage ehemaliger IMs und befürchtet, dass die reflektierte Auseinandersetzung mit den Hintergründen des Überwachungsapparats damit aus dem Blick gerät. Die Vorführung von Opfern als Instrumente der Anklage sieht sie als sehr problematisch. In der Vereinfachung der Stasi zu einem vermeintlich klar definierten Feind werden wesentliche Erkenntnisse vernebelt, die DDR-Repressionen stünden dann nur noch als Handlungsakte von “bösen Anderen”. Damit würden Konsequenzen für gegenwärtiges und zukünftiges Handeln unmöglich. Denn die Strukturen, die dem autoritären System zugrundelagen, bleiben unsichtbar, so lange Stasi, Securitate etc. in der Feindbild-Logik weiterleben.

Lenski ist überzeugt, dass richtig/ falsch, gut/ böse oder Freund/ Feind nicht die angemessenen Parameter sind, um sich mit den Zusammenhängen vergangener Repression auseinanderzusetzen. Die schwarz-weiße Einteilung der Gesellschaft entspräche genau der Kampflogik von Stasi und Securitate, deswegen muss diese hinterfragt und aufgegeben werden. Die Zusammenhänge hinter den Fronten sind von Bedeutung.


Siehe auch:
Hubert Spiegel war auch auf der Tagung in Jena und schrieb darüber am 29.9.2010 in der FAZ: Die Angst war der wichtigste Rohstoff

Krisenhymne von Karpaten-Shakira

Finanzkrisenverarbeitung à la româneşte


Der “Serviciul Român de Comedie” bringt die rumänische “Hymne der Krise”: “KK-Maka” (“caca” = “Kacke” und “maca” ist der Name eines Glücks-/ Kartenspiels, dt./frz. Baccara; Eine mögliche Übersetzung für “KK-Maka” wäre demnach “Kack-Glücksspiel” oder “Scheiß-Roulette” – wahrscheinlicher ist aber, dass es sich bei “maka” nur um ein Reimwort handelt, sodass “caca maka” einfach “volle Scheiße” o.ä. heißen wird [Danke Sorin]). Die Frontsängerin Ramona Hanganu wird in rumänischen Medien bereits als Karpaten-Shakira gehandelt.

Der Text des übernacht sehr beliebt gewordenen rumänischen Liedes wird als “kontrovers” bezeichnet. Um auch dem deutschsprachigen Publikum einen Eindruck zu vermitteln, hier mal Übersetzung & Hinweise:

Criza! KK-Maka (Krise! Kacka Maka) (x4)
În 2006 se cumpărau case, (2006, Häuser wurden gekauft)
Cu buletinul işi lua o plasmă tot cretinul, (jeder Idiot holte sich einen Plasmafernseher auf Kredit)
În 2010 o frecăm la rece, (2010 haben wir ordentlich eingeheizt)
S-a terminat, am consumat, dracul ne-a luat, (Es ist vorbei, wir haben konsumiert, der Teufel hat uns geholt.)
Bugetul e-n găleată, iar ţara-i scufundată, (Das Budget ist im Eimer und das Land ist untergegangen,)

(Refrain:) Ne intrebam de ce-eh-eh criza asta ie-e-e, (Wir fragen uns warum diese Krise)
Mult mai rea, aici la noi (hier bei uns viel schlimmer ist)
Şi Udrea-i din Pleşcoi. (Und warum Udrea aus Pleşcoi ist).
[Elena Udrea ist die Tourismusministerin und Pleşcoi ist ihr Geburtsort, ein kleines Dorf]
Au tăiat salariile, (Die Löhne wurden gestrichen,)
KK-Maka eh eh,
Fără bani n-ai ce să faci: (Ohne Geld kannste nichts machen:)
Ne mutăm în copaci! (Wir ziehen in den Wald!)
Suntem ca maimuţele, (Wir sind wie die Affen,)
KK-Maka eh eh,
Creşte şi inflaţia, (Die Inflation steigt auch)
Exact ca în Africa. (Genau wie in Afrika.) (Refrain Ende)

E jale mare, prin buzunare, (Es ist große Trauer in den Portemonnaies,)
Ponta şi Crin şi-o trag puţin şi urlă tare, (Ponta und Crin stecken ihn sich gegenseitig rein und brüllen laut)
[Victor Ponta ist Vorsitzender der Sozialdemokraten, Crin Antonescu ist Vorsitzender der National-Liberalen]
Base-i cu barca, Boc e cu vaca! (Base[scu] hält’s mit dem Kahn, Boc mit der Kuh!)
[Traian Băsescu ist der Präsident, er war früher Marinesoldat, Emil Boc ist der Premierminister]
Remaniere, nici o plăcere (Kabinettsumbildung, kein Vergnügen)
Doar KK-Maka. (Nur Kacka Maka.)
Toţi o fac pe destepţii, (Alle machen auf klug)
Dar nu sunt decât frecţii. (Aber es gibt nichts als Fiktionen.)

Refrain

(Rap:) Auela majoni, bigi bigi mama, one e to zet,
Akti siki la majoni bigi bigi mama from East to West. Baieţi (… Jungs)
La Palatul Victoria, (Im Victoria-Palast)
[Ehem. "Haus des Volkes", heute Parlamentssitz vor 1990 Außenministerium, später Regierungssitz (danke Sorin)]
vorbim ca în Africa, (sprechen wir wie in Afrika )
asta-i jungla de la noi, (das ist unser Dschungel)
fără lei dar cu mulţi boi. (ohne Lei [Geld/ Löwen] aber mit vielen Ochsen)
[Das Wortspiel funktioniert, da der Leu/ die Lei der Löwe/ die Löwen heißt, was gleichzeitig der Name der rumänischen Währung ist]

Şi au scumpit bananele, le cojim şi asta e, (Auch die Bananen sind teurer geworden, wir schälen sie und das war’s)
Fără bani n-ai ce să faci: (Ohne Geld kannste nichts machen:)
KK-Maka prin copaci! (Kacka-Maka zwischen den Bäumen!)
Urlă ca maimuţele, toate sindicatele. (Es brüllen wie die Affen alle Gewerkschaften.)
Leul nostru-i de belea, (Unser Leu [Löwe/ Währung] bedeutet Schlamassel)
Nu-i rege ca în Africa. (Er ist kein König wie in Afrika.)
Mugetarii, KK-Maka, (Gebrüll, Kacka Maka,)
asta-i jungla de la noi, (das ist unser Dschungel)
fără lei dar cu boi. (ohne Lei [Geld/ Löwen] aber mit Ochsen)
Mugetarii, KK-Maka. (Gebrüll, Kacka Maka,)
Uite şi inflaţia, (Schau, auch die Inflation,)
Exact ca în Africa… (Genau wie in Afrika …) (x3)
Criză ca în Africa. (Krise wie in Afrika.) (x2)

Brücken-Pop

Un duo muzical Româno-Bulgăresc


Viele Länder Südosteuropas sind für die Betonung ihrer nationalen Identität bekannt. Wirtschaftliche Konkurrenz und der Wunsch nach politischer Einflussnahme (nicht zuletzt auch durch die Anreize der EU) lassen viele Länder im Südosten ihre heterogene und gemeinsame kulturelle Vergangenheit ausblenden. Wie dem auch sei, im Bereich der Pop-Musik könnte sich ein gegenläufiger Trend abzeichnen: Der rumänische Musiker und Produzent Costi Ioniţă arbeitet zusammen mit dem bulgarischen Shooting-Star und Model Andrea Teodorova zusammen – und wie es scheint sogar sehr erfolgreich.

Wer kennt einen erfolgreichen Charts-Hit, in dem deutsche und polnische oder deutsche und dänische Textzeilen gemeinsam auftauchen? Für den Austausch von Rumänisch und Bulgarisch gibt es mit dem oben genannten Duo, das unter dem Namen “Sahara” auftritt, mindestens ein erfolgreiches Beispiel.

Achso, und wer die Bilder des folgenden Videos als anstößig empfindet, kann diese ins Verhältnis zu dem sonst als “rückständig” gezeichneten “Balkan”-Klischee setzen. Klar, diese Bilder gibt es im deutschen MTV auch – aber auf den deutsch-türkischen oder deutsch-tschechischen Musiktext dazu warte ich noch …

[01/2012: Hab das Video entfernt, weil es mir aus jetziger Sicht zu sexistisch ist.]

Roma in der EU 2010 – ohne Rechte

Vom nicht lustigen Leben als Roma


Seit mehreren Monaten hat Amnesty International im Zusammenhang mit Menschenrechtsverstößen in der EU insbesondere die Situation der Roma in verschiedenen europäischen Ländern im Blick. Die Nichtregierungsorganisation bietet Informationen über Aufrufe und eigene Aktionen zum Thema Roma auf ihrer Homepage an.

In der taz berichtete Ende Mai 2010 Ralf Leonhard in seinem Artikel Bürger zweiter Klasse über die wichtige Arbeit der NGO zur Situation der Roma.

Innerhalb der EU werden Menschenrechte verletzt. Auch im Kosovo, wo die EU mit ihrer EULEX-Mission eine der wichtigsten verantwortlichen Institutionen des Protektorats ist, sieht es finster aus für Roma in Sachen Menschenrechte. Und dazu kommt, dass Deutschland weiter Roma dorthin abschiebt – und die anderslautenden Forderungen von Menschenrechtlern ignoriert.

Die Diskriminierungssituation wird in der EU offiziell zur Kenntnis genommen, dennoch konnte man sich auch auf dem Roma-Gipfel in Cordoba 2010 auf keine konkreten Maßnahmen einigen. Lippenbekenntnisse bleiben also die Hauptmaßnahme der EU und ihrer Länder. Und das, obwohl eine EU-eigene Studie 2009 zu dem Ergebnis kam, Roma seien die am meisten diskriminierte Minderheit in der EU.