Monthly Archives: Mai 2011

“DEMOCRACIA real YA!” Berlin, 21.Mai 2011

…weiter…


Am Samstag gab es eine weitere “DEMOCRACIA real YA!”-Versammlung am Brandenburger Tor aus Solidarität mit den spanischen Protesten. Die Anzahl der Teilnehmenden des Berliner Demo-(Soli-)Ablegers ist im Vergleich zum Donnerstag (19.5.11) deutlich höher. Ich war nicht vor Ort, habe hier aber ein paar der kursierenden Videoeindrücke versammelt:

(Achso, Spanischkenntnisse sind an vielen Stellen von Vorteil, die Bilder vermitteln sich aber von selbst. Wenn auch in manchen Videos mit streitbarer Musikuntermalung.)

www.youtube.com/watch?v=S_oDVlgpOuY

www.youtube.com/watch?v=WdbF2SwN7zo

www.youtube.com/watch?v=Rde7v2AsDmc

www.youtube.com/watch?v=g0shPjWg1Vc

www.youtube.com/watch?v=abcb7xqkUBI

vimeo.com/24070657

vimeo.com/24088670

Eben am Brandenburger Tor +update

… ein Auftakt?


Als die Metronauten twitterten, dass sich bereits über 100 Leute am Brandenburger Tor bei der spontan angekündigten Berliner Protestveranstaltung versammelten, hab ich auch mal vorbeigeschaut.

Über 100 waren es wohl. Für eine spontane Veranstaltung, die nur wenige Stunden vor Beginn bekannt wurde, sind das sicher nicht wenig. Mal sehen ob das der Auftakt für Proteste wie in Spanien war. Es gab eine kleine Ansprache mit Forderungen, angelehnt an jene, wie sie das lose Bündnis “Echte Demokratie Jetzt!” formulierte und soweit ich es mitbekam, wurde auch konkret Hartz IV angesprochen. Die meisten Transpis waren auf Spanisch, wie auch viele Parolen.

Entschuldigt bitte die Qualität meiner antiken Digitalkamera. Die Polizei hat klar erkennbar modernere Filmtechnik als ich, was sicher in HD auch für ein größeres Sehvergnügen im Revierkino sorgt. Ich musste bei dem filmenden Beamten an das Urteil des Verwaltungsgerichts Berlin denken, demzufolge verdachtsunabhängiges Filmen von Demonstrationen durch die Polizei ungesetzlich sei. Sicherlich gibt es da beim Thema Verdacht aber viel Interpretationsspielraum.

Die Polizei überprüfte dann noch die Personalien einer Person (die sich wohl als Veranstalter zu erkennen gab) und bat diese dann auch, die Veranstaltung für beendet zu erklären. Problemlos verteilten sich die Leute darauf hin auch langsam in alle Richtungen, zumal es sowieso anfing zu regnen. Damit waren die ersten anderthalb Stunden #germanrevolution* vorbei.

Die Transpis wurden eingerollt, die untergehende Sonne warf ein schönes Licht auf den Pariser Platz und es wehte ein angenehm frischer Wind. Na mal sehen.


*Eine kritische (historische) Beleuchtung des Begriffs #germanrevolution gibt’s beim Metronaut.

update:
Der YouTubler TramyBerlin hat ein weiteres Video von der Versammlung gestern (zu hören sind u.a. Teile der spanischen Forderungen, ins Deutsche übersetzt):
www.youtube.com/watch?v=-nUXmtNfFRg


weitere geplante Termine sind (laut Spreeblick):
Hamburg: Samstag, 21. Mai, 12 Uhr, Mittelweg 37 (Spanisches Generalkonsulat)
Düsseldorf: Samstag, 21. Mai, 15 12 Uhr, Burgplatz

Eine Mutter auf den Asphalt gekommen

Dalibor Matanićs “Mutter des Asphalts” ist der sensible Blick auf eine einstürzende Fassade


Majka Asfalta (Mutter des Asphalts, Regie: Dalibor Matanić 2010) erzählt die Geschichte einer Trennung. Besser gesagt wohl einer Loslösung: In einer von Gleichgültigkeit und Entfremdung geprägten Beziehung entscheidet sich Mare, ihren Mann Janko zu verlassen. Die vorweihnachtliche Freude des gemeinsamen Sohnes ist ein schmerzhafter Spiegel für die beiden Eltern, die sehr unterschiedlich mit dem offensichtlichen Scheitern ihrer Beziehung umgehen. Eine frisch gekaufte Eigentumswohnung in Zagreb und der geplante Ski-Urlaub mit Freunden laden zur Verdrängung ein.

In einem hilflosen Ausraster Jankos kracht der letzte Rest Fassade zusammen. Sie geht. Die Handlung wird unsentimental erzählt, die weibliche Hauptfigur bleibt ein Mensch mit eigenen Fehlern. Mare wird nicht auf eine Rolle reduziert, etwa die des Opfers oder der Getriebenen, sondern sie bleibt die Handelnde. Dabei sammelt sie auch die Erkenntnis, mit ihrer Entscheidung weitgehend allein dazustehen: Als sie mit ihrem Sohn für ein paar Tage bei ihrer besten Freundin unterkommt muss sie von ihr hören, ein paar Schläge “aus Versehen” seien doch ganz normal, zumal, wenn der Mann getrunken habe.

Ziellos fährt sie mit ihrem Sohn durch das winterliche Zagreb. Sie übernachten im Auto auf Parkplätzen oder im Büro. In einer Nacht, um dem Sohn eine Freude zu machen, bucht Mare ein Hotelzimmer. Dann ist das Geld alle.

Mare steht in dem Film nicht nur für eine Frau, die sich gegen ein Rollenbild entscheidet und damit auf Unverständnis stößt, sie steht auch für ein Individuum, das sich zum Schutz vor sozialer und physischer Gewalt gegen den Konsens des Schweigens entscheidet. Sie bleibt allein mit ihrem Sohn, denn ihre einzige Option sozialer Anbindung würde bedeuten, die erlebten Formen der Gewalt zu akzeptieren.

Es bleibt offen, wie lange die Beziehung schon litt, wie lange Mare Illusionen akzeptierte. Auch lässt der Film offen, welche Möglichkeiten Mann und Frau hätten finden können, das Geschehene zu thematisieren. Aber dort wird eben nicht die Geschichte einer Beziehung, sondern die der Konsequenzen einer Entscheidung erzählt. Mit ihrem Entschluss für die (Los)Lösung bringt Mare die bestehende Ordnung durcheinander. Weniger die eigentlichen Lebenslügen des sozialen Miteinanders sind das Thema, sondern vielmehr deren langer Rattenschwanz. Das Unverständnis von Freunden, die schmerzliche Entdeckung ungleichmäßiger Abhängigkeit, die plötzliche Erkenntnis einer zerplatzten Illusion. Verdrängung.

Einmal steht Mare in einer Telefonzelle (der Sohn ist in der “Spiel”-Ecke des Einkaufszentrums) und spricht mit ihrer nach Deutschland ausgewanderten Mutter. Mare kämpft mit den Tränen, während sie behauptet, sie sei mit Mann und Kind beim weihnachtlichen Familieneinkauf.

Trailer (Die Musik taucht im Film nicht auf):